Die Auswahl des richtigen Hydraulikschlauchs ist einer der wichtigsten Schritte bei der Planung und Wartung von Hydrauliksystemen. Eine falsche Auswahl kann zu Leckagen, Schlauchbrüchen, Produktionsausfällen, Maschinenschäden und sogar erheblichen Sicherheitsrisiken führen.
In der Praxis wird ein Hydraulikschlauch häufig ausschließlich nach Durchmesser oder maximalem Arbeitsdruck ausgewählt. Die tatsächliche Auswahl muss jedoch eine Reihe von Parametern berücksichtigen: Arbeitsdruck, Impulsbelastungen, Medium- und Umgebungstemperatur, Fluidtyp, minimaler Biegeradius, Normen sowie Einbaubedingungen.
Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Kriterien für die richtige Auswahl eines Hydraulikschlauchs für industrielle Anwendungen.
1. Arbeitsdruck und Sicherheitsfaktor
Das erste und wichtigste Kriterium ist der Arbeitsdruck des Systems.
Maximaler Arbeitsdruck
Jeder Hydraulikschlauch verfügt über einen angegebenen maximalen Arbeitsdruck, ausgedrückt in bar oder MPa. Dieser Druck muss dem maximalen Systemdruck entsprechen oder höher sein.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass:
- der Systemdruck nicht immer konstant ist
- Spitzendrücke auftreten können
- hydraulische Druckstöße die Belastung erheblich erhöhen
Impulsdruck
In industriellen Anwendungen, insbesondere bei Maschinen mit häufigen Lastwechseln, sind Schläuche Impulsdruckzyklen ausgesetzt. Gerade die Ermüdung durch Impulsbelastungen ist häufig die Ursache für einen vorzeitigen Ausfall.
Daher ist es wichtig, Schläuche zu wählen, die für eine bestimmte Anzahl von Impulszyklen gemäß Normen wie EN 853 oder EN 856 ausgelegt sind.
Sicherheitsfaktor
Standard-Hydraulikschläuche verfügen über einen Sicherheitsfaktor von 4:1 (der Berstdruck ist viermal höher als der Arbeitsdruck). Das bedeutet, dass ein Schlauch mit einem Nenndruck von 250 bar einen Berstdruck von etwa 1000 bar aufweist.
Die korrekte Dimensionierung unter Berücksichtigung des Sicherheitsfaktors ist entscheidend für die Systemsicherheit.
2. Temperatur des Mediums und der Umgebung
Die Temperatur beeinflusst maßgeblich die Lebensdauer und Sicherheit eines Hydraulikschlauchs.
Folgende Faktoren müssen berücksichtigt werden:
- Temperatur des Hydrauliköls
- mögliche Spitzentemperaturen
- Umgebungstemperatur
- externe Wärmequellen
Standard-Hydraulikschläuche sind in der Regel für einen Temperaturbereich von -40 °C bis +100 °C ausgelegt, mit kurzfristigen Abweichungen. In speziellen Branchen (z. B. Geothermieprojekte oder in der Nähe von Motoren und Wärmequellen) können jedoch Sonderlösungen erforderlich sein.
Ein falsch ausgewählter Schlauch bei erhöhten Temperaturen kann:
- mechanische Eigenschaften verlieren
- schneller altern
- an Flexibilität verlieren
- unter Belastung reißen
3. Art des Fluids und Materialverträglichkeit
Das am häufigsten verwendete Medium in der Hydraulik ist Mineralöl, jedoch werden in industriellen Anwendungen auch folgende Medien eingesetzt:
- synthetische Öle
- biologisch abbaubare Öle
- emulsionen
- spezielle Fluide
Die Innenschicht (Seele) des Hydraulikschlauchs muss chemisch mit dem Medium kompatibel sein.
Eine Unverträglichkeit kann führen zu:
- Aufquellen der Innenschicht
- Materialabbau
- Leckagen
- verkürzter Lebensdauer
In Projekten mit besonderen Anforderungen (z. B. Lebensmittelindustrie, chemische Anlagen oder spezielle Geothermiesysteme) wird die Materialauswahl noch wichtiger.
4. Minimaler Biegeradius und Einbaubedingungen
Einer der häufigsten Fehler in der Praxis ist das Ignorieren des minimalen Biegeradius.
Jeder Hydraulikschlauch hat einen vorgeschriebenen minimalen Biegeradius, der nicht überschritten werden darf. Eine übermäßige Biegung verursacht:
- innere Spannungen
- Beschädigung der Verstärkung
- verkürzte Lebensdauer
- vorzeitigen Bruch
Außerdem müssen berücksichtigt werden:
- Vibrationen
- Torsionsbelastungen
- mechanische Beschädigungen
- Abrieb
In anspruchsvolleren industriellen Bedingungen wird ein zusätzlicher Schutz der Schläuche empfohlen (Spiralen, Schutzschläuche, Verstärkungen).

5. Normen: EN 853, EN 856 und andere
Normen definieren die Konstruktion, Prüfung und mechanischen Eigenschaften von Hydraulikschläuchen.
EN 853 (1SN, 2SN)
- 1SN – eine Stahldrahtgeflecht-Verstärkung
- 2SN – zwei Stahldrahtgeflecht-Verstärkungen
Anwendung: mittlere bis hohe Drücke, breite industrielle Nutzung.
EN 856 (4SP, 4SH)
- 4SP – vier Spiralstahldraht-Verstärkungen
- 4SH – schwere Konstruktion für sehr hohe Drücke
Anwendung: Schwerindustrie, Bergbauanlagen, Maschinen mit hoher Belastung.
Das Verständnis der Unterschiede zwischen 1SN-, 2SN-, 4SP- und 4SH-Schläuchen ist entscheidend für die richtige Anwendung.

6. Wann sollten 1SN-, 2SN-, 4SP- oder 4SH-Schläuche verwendet werden?
Vereinfacht dargestellt:
- 1SN – leichtere industrielle Anwendungen
- 2SN – Standardanwendungen in der Industrie
- 4SP / 4SH – sehr hohe Drücke und anspruchsvolle Betriebsbedingungen
Die tatsächliche Auswahl hängt jedoch von der Kombination folgender Faktoren ab:
- Druck
- Temperatur
- dynamischer Belastung
- Schlauchlänge
- Einbauart
Daher ist es wichtig, das System als Ganzes zu betrachten und nicht nur einen einzelnen Parameter.
7. Warum eine fachgerechte Schlauchmontage entscheidend ist
Die Auswahl des richtigen Schlauchs ist nur der erste Schritt. Ebenso wichtig ist die professionelle Montage des Hydraulikschlauchs mit Armaturen.
Die Montage umfasst:
- Auswahl geeigneter Hydraulikarmaturen
- präzises Verpressen gemäß Herstellerspezifikation
- Maßkontrolle
- Sichtprüfung
- bei Bedarf Druckprüfung
Ein unsachgemäßes Verpressen kann führen zu:
- Herausziehen der Armatur
- Leckagen
- vorzeitigem Ausfall
- Sicherheitsvorfällen
In industriellen Anwendungen, insbesondere bei Bahnsystemen, Öl- und Geothermieanlagen oder Hochdrucksystemen, stellt eine kontrollierte und dokumentierte Montage eine wesentliche Sicherheitskomponente dar.

8. Druckprüfung und Qualitätskontrolle
Für anspruchsvollere Projekte wird die Druckprüfung jeder gefertigten Schlauchleitung empfohlen.
Die Prüfung ermöglicht:
- provjeru nepropusnosti
- Kontrolle der Verbindungen
- zusätzliche Sicherheit vor der Installation
Bei Projekten mit besonderen technischen Anforderungen oder internationalen Normen ist eine dokumentierte Qualitätskontrolle häufig vorgeschrieben.

Häufigste Fehler bei der Auswahl von Hydraulikschläuchen
In der Praxis treten am häufigsten folgende Fehler auf:
- Auswahl nach Preis statt nach technischen Parametern
- Vernachlässigung von Impulsbelastungen
- falsche Dimensionierung
- Missachtung des minimalen Biegeradius
- unsachgemäße Montage
Solche Fehler führen häufig zu Kosten, die ein Vielfaches der ursprünglichen Einsparung betragen.
Fazit
Die Auswahl eines Hydraulikschlauchs für industrielle Anwendungen erfordert ein technisches Verständnis des Systems und der Betriebsbedingungen. Arbeitsdruck, Temperatur, Fluidtyp, Normen, Biegeradius und Einbaubedingungen müssen ganzheitlich betrachtet werden.
Ebenso wichtig ist, dass die Schlauchmontage mit Armaturen fachgerecht durchgeführt wird, einschließlich Qualitätskontrolle und gegebenenfalls Druckprüfung.
Ein korrekt ausgewählter und fachgerecht montierter Hydraulikschlauch gewährleistet einen zuverlässigen Systembetrieb, eine längere Lebensdauer und Betriebssicherheit.
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